Hochschule und Weiterbildung
Heutzutage ist die individuelle Qualifikation wichtiger denn je. In einem zunehmend
umkämpften Arbeitsmarkt bedarf es nachweislicher Referenzen, wenn man sich empfehlen möchte. Eingedenk der immer
unzureichenderen Versorgung durch staatliche Schulen (veraltete Bücher, träges Beamtentum etc.) und den immer
höheren Ansprüchen der Arbeitswelt droht ein bedenkliches Gefälle zu entstehen. Wer etwas aus sich machen will,
muss sich entsprechend bilden. Natürlich sind es in erster Linie die klassischen Institutionen wie Hochschule und
Universität, die hochqualifizierte Arbeitskräfte heranzüchten sollen. Doch auch Maßnahmen zur individuellen
Weiterbildung, die freiwillig und nicht eingebettet in ein schulisches oder universitäres Umfeld erfolgt, gewinnen
an Wichtigkeit.
Und so besuchen immer mehr Leute – selbst solche, die bereits im Arbeitsleben sind –
Einrichtungen wie die Abendschule oder Seminare, um sich entsprechend fortzubilden. Natürlich erfolgt dies stets
auf Schein oder Zertifikat. Schließlich dient es ja auch als Aushängeschild am Arbeitsmarkt. Wer sich um die eigene
Bildung und Qualifikation sichtlich bemüht, ist ein guter Mann. Da freut sich auch der potenzielle Arbeitgeber,
wenn er aus dem Vollen schöpfen kann. Nicht selten wird dann durch das Qualifikations-Raster gesiebt, durch das
jeder in Bedeutungslosigkeit fällt, wenn er nicht qualifiziert genug ist. Es geht also darum, im feinmaschigen Sieb
des Arbeitsmarktes haften zu bleiben. Andernfalls droht ein aufwändiger Broterwerb, der anstrengend sein kann
(nicht muss), aber in jedem Fall kaum lohnenswert ist.
Man mag von diesem Zynismus halten was man will, aber so sieht es momentan in unserer Welt
aus. Wer dem also entgehen möchte, sollte sich auf jeden Fall mit den wirklich wissenswerten Dingen
auseinandersetzen. Heutzutage wird man leicht dazu verleitet, sich hängen zu lassen. Es empfiehlt sich, dass man
sich bewusst weiterbildet, um den Gegebenheiten unseres wirtschaftlichen Daseins begegnen zu können. Das heißt
natürlich nicht, dass man das alles gut finden muss oder dass man jeden Schwachsinn mitmacht. Doch wer etwas im
Leben erreichen will, der muss sehend und hörend durch die Welt gehen. Und da gehört das lebenslange Lernen
eindeutig dazu. Es ist schon ein wenig seltsam, wenn man die gegenwärtigen Gesellschaftsideale betrachtet. Man hat
einerseits eine ausgewiesene Spaßgesellschaft und anderseits sind wir eine Leistungsgesellschaft. Nun ist es aber
so, dass der Anspruch, Leistung zu bringen, keineswegs immer Spaß macht. Doch darüber muss man hinauswachsen. Nicht
unbedingt, um reich zu werden (das wäre ohnehin vermessen), sondern damit man sich nicht permanent selbst im Wege
steht. Dann ist auch der Weg frei, den eigenen Horizont zu erweitern und ein befriedigendes Dasein zu fristen, das
auf dem fußt, was man ehrlich erreicht hat.
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